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Was wird aus der Dreifaltigkeitskirche?

Unser Plädoyer vom 2. Juni 2020 für eine kulturelle Nachnutzung der Dreifaltigkeitskirche, gehalten vor dem Auswahlgremium des Interessenbekundungsverfahrens:

Ein innerstädtisches Vakuum füllen – aber mit Respekt für das Gebäude

  • Johanna Eisenschmidt - Kulturmanagerin im BGZ Kulturhaus Süderelbe
  • Hein Diekmann - selbständiger Hausverwalter in Harburg
  • Carsten Lünzmann - freischaffender Architekt in Harburg seit 1996

Carsten Lünzmann - Einleitung:

Unsere Genossenschaft wurde am 11. Februar dieses Jahres gegründet, um der lose gefassten Projektidee namens „Dreifalt“, die zunächst ohne ein näher ausgearbeitetes Betreiber- und Finanzierungskonzept funktionierte, jetzt einen stabilen Rahmen zu geben.

Wir sind also nicht die klassischen Investoren, die sich manche vielleicht wünschen, sondern eine Gruppe von Kulturbegeisterten, die sich in Harburg für unseren Stadtteil engagieren. Die Genossenschaft steht kurz vor der Eintragung in das Genossenschaftsregister, hat aktuell 22 Mitglieder, aber einen großen Kreis von Sympathisanten, die sich zu dem Vorhaben bekennen.

Der Kirchenkomplex befindet sich in einer städtebaulich einflussreichen Lage und steht unter Denkmalschutz. Diese Ausgangssituation respektieren wir, indem wir, medizinisch gesprochen, nur „minimalinvasiv“ in den Bestand eingreifen wollen, um die von uns vorgesehenen Nutzungen umsetzen zu können. Das wären folgende Maßnahmen: 

  • Durchgang von der Küsterwohnung zum Kirchenschiff
  • Treppe von der Küsterwohnung in den Innenhof
  • Herstellung von notwendigen Fluchtwegen
  • Absicherung des Eingangshofes
  • Schwellenfreie Erschließung der Räumlichkeiten durch Treppenlift und mobile Rampe vor dem Portal

Wir gehen noch weiter und richten verschüttete Teile wieder her, wie das kleine Wasserbecken im südlichen Innenhof, ergänzt durch Bepflanzungen.

Sicherlich sind energetische Sanierungen erforderlich, um zeitgemäß-sparsam eine angenehme Nutzungstemperatur zu halten, andererseits werden wir die Gebäude nicht dem Gestaltungsdiktat der Dämmstoffindustrie unterwerfen. Wir streben nach einem guten Kompromiss zwischen notwendiger energetischer Ertüchtigung und einer angepassten flexiblen Innenraumnutzung.

Die Dreifaltigkeitskirche liegt an einer der wenigen fußläufigen Wegeverbindungen zwischen der Harburger Innenstadt und dem Harburger Binnenhafen, der Neuen Straße. Diese bietet aber im jetzigen Zustand fast keine Örtlichkeiten, die zum Verweilen einladen. Wir meinen, da muss unbedingt etwas passieren, was Magnetwirkung hat und das dieses innerstädtische Vakuum wieder füllt.
Genau das erreichte der Betrieb der damaligen „Dreifalt-Initiative“ während der sogenannten Erprobungsphase von Juni 2018 bis Februar 2019. Hier wollen wir anknüpfen und die Kirchenanlage einer kulturellen Nutzung zuführen – zur Bereicherung der Harburger Innenstadt und zum Nutzen der Harburger Zivilgesellschaft. 

Johanna Eisenschmidt - das Betreiberkonzept:

Die Veranstaltungen, die in der Erprobungsphase 2018/19 stattgefunden haben, wurden von verschiedenen Akteuren der Harburger Kulturszene und darüber hinaus umgesetzt.

Die Kirche mit ihren vielfältig nutzbaren Räumen hat alle Besucher und Nutzer stets in ihren Bann gezogen und begeistert. Theaterstücke, Klassische Musik, Pop‐ oder Rockkonzerte von Live‐Bands, Filmvorführungen, Ausstellungen von Kunstwerken oder auch Kunsthandwerk, Lesungen, kleine Messen, Feten und Feiern können jetzt wieder im großen Kirchensaal oder in den weiteren Räumen stattfinden. Eine Kunstgalerie würde ihren Platz finden.

Regelmäßige Proben von Bands oder Theaterensembles, sogar eine Bürovermietung, sind angefragt und könnten ebenfalls räumlich und organisatorisch ermöglicht werden.

Wir wollen die bauliche Struktur der Dreifaltigkeits‐Gebäude wie gesagt nur minimal verändern.
Am wichtigsten: Der Durchbruch von der ehemaligen Küsterwohnung zum Kirchenraum und ein Zugang zum nördlichen Innenhof ermöglichen die Einrichtung eines gemütlichen Cafés – ein Vorhaben, das bereits jetzt die Harburger begeistert!

Wir sind als Dreifalt Genossenschaft gut vernetzt mit vielen Harburger Künstlern und
Kulturschaffenden. Es gibt zahlreiche seriöse Interessenten für die Anmietung der Räume und die dauerhafte bzw. regelmäßige kulturelle Nutzung der Kirchenräume und auch der dazugehörigen Außenflächen.
Was wir Ihnen als Eigentümerin der Dreifaltigkeitskirche bzw. den politisch Verantwortlichen mit unserem Konzept bieten, ist ein kultureller Mehrwert für Harburg an diesem besonderen Ort!
Diesem zurzeit ruhenden Denkmal möchten wir neues Leben einhauchen und es dauerhaft und sinnvoll mit Kunst, Kultur und Kreativität beleben und auch wirtschaftlich betreiben.

Abschließen möchte ich mit dem – mich emotional berührenden – Bibelvers, der auf dem alten Portal unserer Dreifaltigkeitskirche zu lesen ist, das sogar schon auf dem berühmten Kupferstich „Harburg Ansicht“ von Caspar Merian, 1654 (kurz nach Errichtung der Kirche!) zu erkennen ist: DIES MEIN HAUS SOLL EIN BETHAUS HEISSEN UND ALLES WAS IHR BITTET IM GEBET SO IHR GLAUBET, WERDET IHRS EMPFANGEN.

Wir glauben an diese Sache und sind voller Zuversicht! 

Hein Diekmann - Das Schlüsselwort für die Finanzierung heißt "bürgerschaftliches Engagement":

Unser Konzept erhält nicht nur das Bauwerk und bietet einen großen Nutzen für die Stadtgemeinde Harburg – sondern es ist auch in sich schlüssig und vor allem wirtschaftlich tragfähig.

Das Schlüsselwort dafür heißt „bürgerschaftliches Engagement“. Um das zu verdeutlichen, blicken wir einmal nach Hamburg-Neuenfelde, einige Kilometer elbabwärts. Dort steht die St. Pankratius-Kirche, mit einer weltberühmten Orgel von Arp Schnitger, fertiggestellt 1688, also nicht lange nach dem Bau der ersten Dreifaltigkeitskirche. Weil diese Orgel nach all den Jahren verschlissen war, war eine Restaurierung und Reparatur unumgänglich. Diese Maßnahme wurde mit über 900.000 Euro veranschlagt.

Zur Finanzierung dieser knappen Million wurde ein Verein gegründet, die Arp-Schnitger-Gesellschaft. Dieser Verein schaffte es, ein Viertel der Kosten, 220.000 Euro zusammenzutragen – aus Beiträgen, Spenden, Kollekten, Pfeifenpatenschaften und so weiter. Ein weiteres Viertel kam von verschiedenen Stiftungen. Ein Harburger Bundestagsabgeordneter hat es dann ermöglicht, Bundesmittel in erheblicher Höhe zu mobilisieren. Der Rest kam aus Eigenmitteln der Gemeinde und des Kirchenkreises. Heute ist die Orgel repariert und spielt wunderschön!

Diesen großen Erfolg eines bürgerschaftlichen Engagements übertragen wir auf unser Konzept für die Dreifaltigkeitskirche: 

  1. Wir haben Eigengeld aus den eingezahlten Genossenschaftsanteilen, wobei wir davon ausgehen, dass wir noch deutlich mehr Mitglieder gewinnen werden, wenn wir den Zuschlag bekommen. Darüber hinaus sind Mitgliederdarlehen von 45.000 Euro zugesagt und wird eine Kaution für eine Jahrespacht von € 30.000 angeboten
  2. Wir werden laufende Einnahmen aus der Vermietung der Räumlichkeiten bereits im jetzigen Zustand generieren und dies noch steigern nach Fertigstellung der Gastronomie in der ehemaligen Küsterwohnung
  3. Ganz klar werden wir Mittel von außen benötigen. Aber wie in Neuenfelde bauen wir darauf, dass die Zivilgesellschaft ein Interesse an dem Projekt hat. Bereits jetzt merken wir das an der Aufmerksamkeit und großen Sympathie, die unserer Idee entgegengebracht wird. Ohne dass wir von uns aus danach gefragt haben, hat uns die STEG (Stadtentwicklungsgesellschaft) darauf hingewiesen, dass unser Projekt selbstverständlich aus RISE-Mitteln förderfähig ist. Und unsere Hausbank, die Evangelische Bank hat von sich aus mitgeteilt, dass sie mit drei Stiftungen zusammenarbeitet, die uns helfen könnten. Das ist Interesse, das bereits im Vorfeld gezeigt wird!

Was die Stadt Hamburg und den Bezirk angeht: Wir kommen nicht mit dem Anspruch daher, nur weil wir so kreativ und toll sind, soll der Staat für uns bezahlen. Allerdings würden wir uns freuen, wenn wir von der Verwaltung positiv begleitet werden, das heißt zum Beispiel, dass bei den verschiedenen Genehmigungen und einzuhaltenden Vorschriften mögliche Spielräume auch genutzt werden. Was darüber hinaus möglich ist – umso besser!

Unsere Kalkulation von Kosten, Einnahmen und Finanzierung haben wir sparsam aufgestellt, und werden einen Basisbetreib und erste Umbauten aus eigener Kraft finanzieren können. Allerdings werden wir, um das Projekt Step by Step richtig hübsch und großartig zu machen, die Begeisterungsfähigkeit der Harburger in Anspruch nehmen und wir werden natürlich auch sehen, wo wir woanders Unterstützung finden. Wir rechnen mit bürgerschaftlichem Engagement von vielen Seiten!

Wir sind sicher, dass wir ein tolles Projekt für die Stadtgemeinde Harburg bieten, das auf kleinen Füßen laufen lernt, aber große Schritte machen kann und das zum Erfolg kommen wird.

Dafür bitten wir um Ihre Unterstützung!  

© 2020 - dreifalt eg - Kulturgenossenschaft für Harburg

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